Der morgen des Freitag, 15.08.2025 begann noch herrlich ruhig und entspannt – aber das sollte sich im Laufe des Tages noch dramatisch ändern. Wie viel Glück man doch im Unglück haben kann – davon erfahrt ihr weiter unten im Text.
Ein sonniger Freitagmorgen wurde mit Kuhglockengeläut aus der Ferne eingeläutet. Noch ein wenig verschlafen krabbelten wir aus dem Auto um uns Frühstück zu machen. Die Nacht war eine Sternenklare, super entspannte und ruhige Nacht. Am Abend konnten wir im wolkenlosen Himmel zahlreiche Sterne beobachten, genau das richtige für mich alte romantiksau 🙂
Okay, wieder e(E)rnst bei der Sache.
Nach dem Frühstück fuhren wir die Route 3SS im grasbewachsenen Hang weiter bergauf und folgten nach einer betonierten Furt mehreren engen Kehren in denen wir reversieren mussten, Talwärts in Richtung Sampeyre im Varaita Tal. Kurz vor Sampeyre war die Strecke wieder Asphaltiert und ich schaltete das Verteilergetriebe vom Allrad in den Hinterradantrieb und es geschah das erste Missgeschick des Tages. Während ich in den Hinterradantrieb geschaltet habe, habe ich nicht gesehen das sich mein Handy durch das gerüttele auf der Schotterpiste im Ablagefach vor dem Schalthebel um 90° gedreht hatte und nun im Fach so doof gelegen hatte, dass es durch den Wahlhebel des Verteilergetriebes in dem Fach mit dem Display gegen die Fachkante gedrückt wurde.
Knack – Display gebrochen und die untere Hälfte des Display blieb schwarz und reagierte nicht mehr. Von diesem Augenblick an habe ich während unserer restlichen Tour nicht mehr so viele Fotos mit dem Handy machen können. Das Telefon hatte zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, war aber bis dahin noch tadellos in Ordnung gewesen. Eigentlich wollte ich mir noch kein neues Telefon kaufen – bis zu diesem Zeitpunkt. Man könnte das Telefon bestimmt durch einen Displaytausch reparieren lassen – aber dafür war ist nun doch schon zu alt als ob sich das lohnen würde.
C’est la vie – so ist es eben. Muss ich mich Zuhause um ein neues Handy kümmern. Es gibt schlimmeres, wie wir bald erfahren durften!
Von Sampeyre aus folgten wir der SP8 und SS20 in südlicher Richtung ca. 80km lang bis nach Limone-Piemonte. Die Fahrt über die teilweise recht engen Landstraßen verlief weitestgehend ruhig und entspannt bis zum Ort „Robilante“. Dort in der Ortsmitte sahen wir an einer Apotheke ein Thermometer hängen auf den in leuchtend roten Zahlen eine dicke 43°C strahlte. Das dies noch zum Problem werden würde – ahnten wir bis hierhin noch nicht.
Kurz nach der Ortsdurchfahrt fuhren wir in einen massiven Stau. Wir vermuteten unfallbedingt irgendwo auf unserer Strecke. Einiges an Tatü-Tata zwängte sich laut-tutend durch die engen Straßen durch den Stau, wo kaum genügend Platz für zwei sich begegnende LKWs gewesen ist. Hier möchte ich kein Fahrer eines großen Rettungsfahrzeugs sein. Nun, dachten wir uns – dauert es halt was länger und freundeten uns mit dem Gedanken an das wir hier noch einige Zeit länger bleiben würden. Der Verkehr ging nur sehr langsam weiter. Stillstandzeiten von 3-5 Minuten und anschließendes weiterrollen von ein paar Metern lohnten kaum den alten Dieselmotor zwischendurch abzuschalten. Ich bin halt der Meinung das man alte Diesel besser im Standgas weitertackern lässt, als ständig an und aus zu machen. In der Regel ist das schon so, hier war das aber etwas doof.
Was ich nicht bemerkte – der alte 2,5l intercooler überhitzte – und zwar so sehr das das Kühlsystem solch einen Überdruck produzierte das einer der 23 Jahre alten Kühlerschläuche platzte und mit einem lauten Knall und viel Wasserdampf sogar die Motorhaube leicht angehoben hat. Der Schreck war groß gewesen, dass könnt ihr uns glauben. Gott sei dank befand sich ein paar Meter weiter eine Kurve, wo sich die Möglichkeit ergab zu halten – ohne den Verkehr im Stau noch zusätzlich auf der sehr engen Straße zu behindern.
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Angehalten, Motor aus und ausgestiegen um den Schaden zu begutachten – ein Schock. Der obere Kühlerschlauch (Rücklauf) des Wasserkühler war der Länge nach auf gute 15cm aufgeplatzt. Keine Chance den irgendwie zu flicken. Und was hatten wir natürlich NICHT dabei? Na klar, einen Ersatzschlauch.
Was nun? – erstmal Lage analysieren, Frau beruhigen, ADAC in Deutschland kontaktieren. Gott sei Dank bin ich seit 1996 Mitglied im ADAC – jetzt können die mal zeigen was die so drauf haben. Telefon geschnappt, ADAC-App geöffnet und in dieser App die Pannenhilfe alarmiert. Das praktische wenn man den Pannendienst in der App alarmiert: Es wird direkt der genaue GPS-Standort übermittelt und man kann präzise das Schadensbild beschreiben und mit Fotos dokumentieren. So kann der alarmierte Pannenhelfer sich direkt ein genaues Schadenbild machen und evt. schon vor der Anfahrt für notwendige Hilfsmittel/Ersatzteile sorgen. Außerdem gibt es mit Hilfe der App im Ausland keine Sprachbarriere.
Nach dem ich den Notruf über die App abgesetzt habe, holte wir uns was kaltes zu trinken aus dem Auto und gingen auf die andere Straßenseite in den Schatten. Das Auto stand nämlich in der prallen Sonne wie in einem Backofen, außerdem strahlte die Blechlawine des Stau zusätzlich eine immense Hitze ab.
Während wir hier nun standen und auf Hilfe warteten, fuhr erneut ein Rettungsfahrzeug an uns vorbei und uns wurde klar das sich der Stau so schnell nicht auflösen würde. Auch wurde mir bewusst, dass wenn sich Hilfe aus Staurichtung zu uns bewegen sollte – könnte es noch laaange dauern bis diese bei uns eintrifft. Nach ein paar Minuten kam eine Benachrichtigung über die ADAC-App – unser Auftrag ist in Bearbeitung und ein Servicepartner in der Nähe wird kontaktiert. Das ging Fix.
Gespannt schauten wir Richtung Stau und warteten auf das was kommt. Und es kam was. Nicht die „gelben Engel“ vom ADAC – sondern „schwarze Engel“ in Form von zwei Overlandern mit schwarzen Nissan Patrols – die ich in der Entfernung aus der Richtung wo wir herkamen erspähen konnte.
„Da kommt unsere Rettung„: sagte ich zu Marion und lief über die Straße zu unserem Rudi. „Meinst Du?“ fragte Sie skeptisch und ich Antwortete: „warte ab, die halten bestimmt an um zu helfen!„. Und wir wurden nicht enttäuscht. Aus der Ferne konnte ich erkennen das es sich zu unserem Glück sogar um deutsche Fahrzeuge aus BK (Backnang in Baden-Württemberg) handelte. Und tatsächlich, als Sie uns erspähten schaltete das erste Fahrzeug sofort das Warnblinklicht an und fuhr neben uns um anzuhalten. Die Beifahrerin machte das Fenster herunter und als ich unsere Lage erklärte, meinte der Fahrer: „kein Problem, der Kumpel im hinteren Fahrzeug hat Ersatzschläuche dabei – wir ziehen euch erstmal von der Straße hier weg“
Die Situation konnte unsere verbaute Dashcam dokumentieren – die wenn die Zündung aus ist, eine Parkraumüberwachung im Zeitraffer filmt.
Lange Rede kurzer Sinn, die zwei Jungs waren Weltklasse. Das erste Fahrzeug fuhr vorbei, der zweite setzte sich vor uns, hielt an und holte Bergematerial aus dem Auto. Ruckzuck waren unsere beiden Fahrzeuge mit einem Bergegurt und Schäkeln miteinander verbunden und nach dem wir uns auf einen CB-Funkkanal zur Kommunikation geeinigt hatten konnte es auch schon losgehen. Innerhalb von 5 Minuten rollte unser Rudi dem schwarzen Nissan-Patrol hinterher und wir fuhren nach ein paar hundert Meter in eine kleine Seitenstraße unter ein Viadukt in den Schatten. Ohne lang zu schnacken und mit geübter Hand holten die zwei schwarzen Engel Werkzeug und Kühlerschläuche aus Ihren Fahrzeugen und fingen sofort an sich um unser Problem zu kümmern. Das ganze ging so schnell und professionell von statten das Marion und ich unser Glück kaum fassen konnten und zumindest ich dachte in einem Traum zu sein. „Kann man wirklich so viel Glück im Unglück haben?“ dachte ich. Scheint so, denn keine 20-30 Minuten später war Rudi soweit vorbereitet das ich das Kühlwasser auffüllen und das Kühlsystem entlüften konnte.

UNGLAUBLICH – was für tolle Kerle!
Da die Jungs kein Dankeschön in Form eines Trinkgeldes für die Zeit, Mühen und ihr Material annehmen wollten – ging Marion, schlau wie Sie ist, zu den Mädels der beiden Jungs und drückte denen unsere monetäre Dankbarkeit in die Hände. „Geht zusammen was auf unseren Deckel trinken“: sagte Sie zu Ihnen und die Mädels nahmen unsere Dankbarkeit auch an. Das war das mindeste was wir für diese grandiose Hilfe zum Dank leisten konnten. So schnell wie die schwarzen Engel auftauchten – so schnell haben Sie sich auch wieder verabschiedet (wir hatten leider nicht mal Gelegenheit Kontaktdaten zu tauschen). Nach einem kurzen plausch erfuhren wir das Sie das selbe Ziel hatten – Fort Central um dort oben zu übernachten um morgen auf die Ligurische Grenzkammstrasse zu fahren. Genau das war auch unser Plan gewesen und wir hofften unsere schwarzen Engel alsbald wieder zu sehen.
Ach so – fast vergessen, der ADAC. Als wir im Schutz des Schatten des über uns verlaufenden Viaduktes standen, habe ich den Auftrag in der ADAC-App storniert. Kompetente Hilfe hatte ich ja nun, da brauchte ich keinen Pannenhelfer mehr. Ein paar Minuten nach dem ich den Auftrag storniert hatte, rief mich der lokale Pannendienst deutschsprechend an und fragte nach Details. Als ich Ihm erklärte das ich den Auftrag schon storniert habe, weil wir bereits Hilfe haben sagte er das dies kein Problem wäre und wenn noch was wäre sollen wir Ihn anrufen. Seine Nummer hätten wir ja nun. Das mit dem ADAC hat also auch super und vor allem schnell geklappt – muss ja auch mal lobend erwähnt werden!
Weiter ging es auf unserer Route hoch zum Fort Central, wo wir geplant hatten die Nacht zu verbringen!
Ach so – Sideinfo: der der durch unsere schwarzen Engel reparierte Kühlwasserschlauch hielt die gesamte restliche Tour bis nach Hause durch. Ohne Probleme!
Angekommen am Fort-Central mussten wir feststellen das wohl die halbe Region hier oben seine Freizeit verbringt. Man hätte meinen können das wir auf dem Parkplatz vom Phantasia-Land stehen, so viel Betrieb herrscht bei gutem Wetter hier oben. Überall stehen rauchend, qualmende Feuer,- und Grillstellen sowie Zelte und Pavillons oder es liegen ganze Familien einfach auf Decken in Sonne oder Schatten. Total irre was hier oben los ist. Ein Gewusel wie auf dem Jahrmarkt.
Nun, eigentlich auch kein Wunder. So kann man bis hierher sogar mit einem tiefergelegten Sportwagen fahren. Easy-Peasy zieht die kurvige Bergstraße, anfangs noch Asphaltiert, später fein glatt-planiert und geschottert hier herauf. Das ändert sich aber ganz schnell wenn man der Piste am Fort-Central weiter folgt. Spätestens ab der Mautstelle (an einer Seilbahn-Bergstation) ist dann auch Schluss mit Lustig – ab hier wird Bodenfreiheit Pflicht. Allrad ist nicht unbedingt notwendig. Wir hatten zwar die ganze Zeit den Allrad eingelegt, aber sicher wäre die Ligurische Grenzkammstrasse auch nur mit dem Hinterradantrieb machbar gewesen.
| Unser Camp am Fort Central. Und nein – wir haben nicht ins Fort gekackt, wie man Abends und Morgens bei einem großen Teil der „Übernachtungsgäste“ hier oben beobachten konnte. Leute die mit der Klorolle unterm Arm kurz hinter den Mauern verschwunden sind und nach ein paar Minuten mit entspannten Gesichtsausdruck zurück kamen. Wir haben unsere „Boxio“ dabei und auch genutzt. Wir wollten nicht dazu beitragen das der Kloaken-Geruch an manchen Teilen des Forts noch schlimmer wird. |
Nachfolgend ein paar Aufnahmen vom Fort Central und der näheren Umgebung.
Zusammenfassung und historische Hintergründe zum Fort Central im Piemont
Das Fort Central (italienisch: Forte Centrale) ist eine historische Festung, die sich am Colle di Tenda (Tenda-Pass) in den Seealpen befindet. Obwohl es geografisch in der Nähe des Piemonts liegt, gehört das Gebiet, in dem sich die Festung befindet, heute zu Frankreich.
Geografische Lage: Die Festung liegt auf einer Höhe von 1908 m.ü.M. am Tenda-Pass, einem wichtigen Übergang, der das Roya-Tal im heutigen Frankreich mit dem Vermenagna-Tal im Piemont, Italien, verbindet. Sie ist Teil einer beeindruckenden Linie italienischer Festungsanlagen, die Ende des 19. Jahrhunderts entlang der damaligen Grenze errichtet wurden.
Historischer Hintergrund:
- Entstehung: Das Fort Central wurde um 1880 von Italien erbaut, als die Region noch zum Königreich Italien gehörte. Der Bau war eine Reaktion auf die wachsenden Spannungen zwischen Italien und Frankreich im späten 19. Jahrhundert. Man wollte die Gipfel und strategisch wichtigen Pässe, wie den Colle di Tenda, militärisch sichern.
- Verteidigungssystem: Das Fort Central war nicht isoliert, sondern das Kernstück eines größeren Verteidigungssystems. Es war von fünf weiteren rechteckigen Festungen umgeben und durch tiefe Gräben sowie eine Zugbrücke geschützt. Die gesamte Anlage zeugt von der fortschrittlichen italienischen Militärtechnik der damaligen Zeit.
- Nutzung und Bedeutung: Trotz seiner imposanten Bauweise und strategischen Bedeutung musste das Fort Central nie eine wirkliche Bewährungsprobe in einem militärischen Konflikt bestehen. Sein Zweck war eher präventiver Natur.
- Alpenwall: Im 20. Jahrhundert wurde diese Verteidigungslinie durch ein neues System ergänzt: den sogenannten Alpenwall. Zwischen 1931 und 1942 wurden etwa 130 weitere Befestigungsanlagen gebaut, um die Grenze vor dem Zweiten Weltkrieg weiter zu sichern.
- Grenzverschiebung: Die entscheidende Zäsur in der Geschichte der Fort Central kam nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1947 wurde die Gemeinde Tenda, zu der auch die Festung gehörte, an Frankreich abgetreten. Seitdem befindet sich das Fort auf französischem Staatsgebiet.
- Heutiger Zustand: Das Fort Central ist heute größtenteils eine Ruine, aber dennoch ein bemerkenswertes historisches Denkmal, das von der komplexen Geschichte der italienisch-französischen Grenzregion zeugt. Sie ist ein beliebtes Ziel für Wanderer und Mountainbiker auf der Ligurischen Grenzkammstraße (LGKS), die entlang dieser alten Militäranlagen verläuft.
(diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI erstellt und kann Fehler enthalten)
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